Der verhütete Mann

 

Die Sterilisation (Vasektomie) beim Mann ist die sicherste Verhütungsmethode. Und dazu risikoarm. Doch nur wenige wagen den Schritt zum Schnitt. Was einen erwartet und warum diese Methode sogar den Sex schöner machen kann, darüber sprachen wir mit unserem Gesundheitsexperten, dem Bonner Urologen Matthias Schmidt. Er führt mehr als 200 Vasektomien pro Jahr ambulant durch.

Was ist eine Vasektomie?
Vasektomie ist die einzige sichere Verhütungsmethode des Mannes. Bei ihr werden die Samenleiter durchtrennt. Ein kleiner ambulanter Eingriff mit großer Wirkung – denn diese Verhütungsmethode bietet eine nahezu hundertprozentige Sicherheit. 

Was wird bei einer Vasektomie genau gemacht?
Dazu muss man sagen, dass es verschiedene Methoden gibt. Wir wenden die klassische an. Dabei wird unter örtlicher Betäubung der Samenleiter freigelegt, durchtrennt und ein Abschnitt von ungefähr einem Zentimeter entfernt. Damit wird verhindert, dass sich die beiden entstandenen Samenleiterenden wieder miteinander verbinden. Die Enden der Samenleiter werden unterbunden, an den Öffnungen verödet und in verschiedenen Gewebeschichten zurückverlagert. Der schichtweise Wundverschluss erfolgt mit selbstauflösendem Fadenmaterial.

Welche Alternativen gibt es?
Es gibt noch die so genannte skalpellfreie Vasektomie. Die „no-scalpel vasectomy“ wurde Mitte der 70er- Jahre in China entwickelt und hat sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland etabliert. Der Zugang zu den Samenleitern gelingt hierbei ohne Skalpell. Meiner Erfahrung nach ist die klassische Methode, bei der man einen kleinen Schnitt entlang der Hodensackhaut macht, komplikationsloser und der Heilungsprozess verläuft schneller.

Wie lange dauert der Eingriff und muss man danach etwas Besonderes beachten?
Eine Vasektomie dauert rund 20 bis 30 Minuten für beide Seiten. Danach darf man eine Woche kein Fahrrad fahren, keinen Sport treiben. Wir führen den Eingriff immer freitags durch. Dann haben die Patienten Zeit, sich über das Wochenende zu erholen. In der Regel gibt es keine Probleme und auch die Einnahme von Schmerzmitteln ist sehr selten. 

Wie sieht es mit Geschlechtsverkehr danach aus?
Nach dem Eingriff ist eine Woche Abstinenz sehr wichtig. Mehr nicht. Wichtig ist allerdings, dass für die nächsten drei Monate noch zusätzlich verhütet wird. Wir machen nach dem Eingriff nach acht und nach zwölf Wochen jeweils ein Spermiogramm. Anhand der Ergebnisse können wir sagen, ob die Vasektomie Erfolg hatte und Sex wirklich sicher ist. Der Arzt gibt das „Go“ zur verhütungsfreien und sorglosen Zeit.

Viele Männer haben Angst, dass sich nach einer Vasektomie der Sex ändert.
Ja, dies ist natürlich eine zentrale Frage und taucht in meinen Beratungsgesprächen immer auf. Aber da kann ich alle beruhigen. Eine Vasektomie hat keine, zumindest keine negativen Auswirkungen auf den Geschlechtsverkehr. Im Gegenteil: Viele Männer und auch Frauen empfinden den Sex danach als viel entspannter, unkomplizierter und schöner, da das Thema Verhütung keines mehr ist. Der männliche Hormonhaushalt wird durch den Eingriff nicht beeinflusst und es besteht keine Gefahr für Potenz, Erektion und Libido.

Ändert sich denn beim Samenerguss etwas?
Hat man überhaupt noch einen? Auch hier bleibt alles beim Alten. Das Samenvolumen reduziert sich um maximal zehn Prozent, das fällt überhaupt nicht auf. 

Können Sie verstehen, dass manche Männer Angst vor einer Vasektomie haben?
Sicherlich, alles, was man nicht kennt und vor allem, was man am eigenen Körper erfahren soll, ruft oftmals Ängste hervor. In meiner Praxis habe ich aber festgestellt, dass eine gute Aufklärung Ängste abbaut. 95 Prozent der Männer, die sich bei mir beraten lassen, kommen danach auch zur OP. Beim Rest liegen meistens andere Gründe vor, diesen Schritt nicht zu gehen.

Wie wichtig ist das Beratungsgespräch?
Das ist sehr wichtig. Ohne das wird der Eingriff nicht gemacht. Ich bin auch immer froh, wenn die Männer ihre Frauen mitbringen. Denn der Eingriff betrifft schließlich beide Partner. Es geht um die Familienplanung und an dieser sollten Mann und Frau beteiligt sein. 

Gibt es auch Fälle, die Sie ablehnen zu operieren?
Die gibt es. Das Beratungsgespräch ist auch dafür da, diejenigen herauszufiltern, die es später bereuen könnten. Die Männer müssen sich im Klaren sein, dass der Eingriff an sich kein Problem und in seiner Wirkung sehr sicher ist. Doch es gibt keine Sicherheit dafür, dass er erfolgreich rückgängig gemacht werden kann. Zu mir ist beispielsweise einmal ein sehr junger Mann gekommen, der sich mit seiner Familie überworfen hatte und sich daher sterilisieren lassen wollte. Den habe ich weggeschickt. Irgendwann trifft er vielleicht seine Traumfrau und dann könnte ein Kinderwunsch zum großen Problem werden.

Kann denn eine Vasektomie überhaupt rückgängig gemacht werden?
Die Möglichkeit besteht, aber der Erfolg ist davon abhängig, wie lange der Eingriff zurückliegt. Je länger das her ist, desto schwieriger ist es. Ich sage meinen Patienten daher immer, solange diese Frage noch im Vordergrund steht, sollte man den Eingriff nicht machen. 

Bezahlen die Krankenkassen den Eingriff?
Nein. Die Vasektomie muss vom Patienten selbst bezahlt werden. Dies ist bei der Pille oder anderen Verhütungsmethoden genauso. 

Interview: Susanne Rothe, RHEINexklusiv